Keine freie Fahrt unter THC-Einfluss: Entzug der Fahrerlaubnis droht trotz legalisiertem Cannabis

Viele sehen die Lage entspannt: Cannabis ist legal. Ganz so locker ist es aber nicht, denn das Autofahren unter Cannabiseinfluss bleibt ein erhebliches Risiko. Dies belegt ein aktueller Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin vom 23. Juli 2026.

Bei einer Verkehrskontrolle stellte man bei einem Autofahrer einen sehr hohen THC-Wert im Blut fest. Daraufhin verlangte die Fahrerlaubnisbehörde eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Eine solche amtliche Begutachtung klärt, ob eine Person geistig und körperlich geeignet ist, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen. Bestehen daran nämlich Zweifel, kann die Fahrerlaubnisbehörde eine solche MPU anordnen, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu schützen. Weil der Mann das Gutachten verweigerte, entzog die Behörde ihm die Fahrerlaubnis. Dagegen wehrte sich der Fahrer, aber das Verwaltungsgericht Berlin stimmte der Behörde zu. Wie konnte es dazu kommen?

Cannabis am Steuer: So bleibt es beim Bußgeld

Eine Ordnungswidrigkeit begeht, wer mit 3,5 ng/ml THC oder mehr im Blutserum ein Kraftfahrzeug führt. In der Regel drohen dann 500 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot durch das Strafgericht, das örtlich zuständige Amtsgericht. Das ist dann die strafrechtliche bzw. bußgeldrechtliche Seite der Angelegenheit.

Neben dieser bußgeldrechtlichen Seite gibt es aber eine weitere Ebene, nämlich die des Verkehrsverwaltungsrechts. Innerhalb dessen prüft die jeweils zuständige Fahrerlaubnisbehörde nicht den einzelnen Verstoß, sondern die Fahreignung im Allgemeinen. Im konkreten Berliner Fall wurde untersucht, ob der Betroffene Cannabiskonsum und Autofahren zuverlässig trennen kann. Dies geschah, nachdem das Bußgeldverfahren bereits erledigt war und sich der bereits „abgeurteilte“ Betroffene offenbar schon in Sicherheit wog – aber das ist durchaus rechtens.

Wann droht wegen Cannabis am Steuer eine MPU?

Eine MPU wegen Cannabis am Steuer kann u.a. dann gefordert werden, wenn Tatsachen auf Drogenmissbrauch oder fehlende Trennung zwischen Konsum und Fahren hindeuten. Spätestens seit der Cannabis-Reform reicht eine einmalige Fahrt unter Cannabiseinfluss nicht in jedem Fall aus, um Cannabismissbrauch anzunehmen. Es braucht weitere Kriterien, die den Verdacht verstärken.

Solche Umstände können Cannabisgeruch im Fahrzeug sein, Ausfallerscheinungen bei der Kontrolle, sehr hohe THC-Werte, Mischkonsum mit Alkohol sowie widersprüchliche oder belastende Angaben zum Konsum – um nur einige Hinweise zu nennen.

Im Berliner Fall lag der THC-Wert bei 47,8 ng/ml. Für das Gericht war dieser sehr hohe Wert ein starkes Zusatzzeichen. Er sprach gegen einen bloßen Gelegenheitsfall und begründete Zweifel daran, ob der Fahrer Konsum und Autofahren zuverlässig trennt.

Warum ein hoher THC-Wert so problematisch ist

Viele Betroffene schauen nur auf die 3,5-ng/ml-Grenze. Diese Grenze ist wichtig, aber sie löst nicht alle Fragen hinsichtlich der Fahrerlaubnis. Ein Wert knapp über 3,5 ng/ml führt zunächst zum Bußgeldvorwurf. Ein sehr hoher Wert kann aber ein anderes Bild zeichnen. Dann fragt die Behörde, ob es sich noch um gelegentlichen oder um intensiven Konsum handelt, ob der Betroffene die Fahrt trotz relevanter Wirkung angetreten hat und ob das Risiko besteht, dass er auch künftig stark berauscht Auto fährt.

Hohe THC-Werte können also zur MPU und im schlimmsten Fall zum Entzug der Fahrerlaubnis führen, selbst wenn der Fall zunächst wie ein normales Bußgeldverfahren beginnt. Je höher der Wert, desto eher wird die Fahrerlaubnisbehörde prüfen, ob Cannabis und Straßenverkehr ausreichend separiert werden.

Was passiert, wenn ich die MPU nicht vorlege?

Wer eine rechtmäßige MPU-Anordnung ignoriert, riskiert den Führerschein. Die Fahrerlaubnisbehörde darf dann aus der verweigerten Mitwirkung des Betroffenen auf fehlende Fahreignung schließen. Genau das geschah im Berliner Fall. Die Behörde verlangte ein Gutachten, der Fahrer legte es nicht vor und die Fahrerlaubnis wurde entzogen.

Das ist der zentrale Punkt für Betroffene: Eine MPU-Anordnung sollte man nicht liegen lassen. Auch wer die Anordnung für falsch hält, muss rechtzeitig reagieren. Wer einfach abwartet, gibt der Behörde oft den stärksten Hebel für den Entzug der Fahrerlaubnis.

Hilft eine Verordnung von medizinischem Cannabis gegen eine MPU?

Eine ärztliche Bescheinigung über Medizinalcannabis hilft nicht automatisch. Darin sieht das Gericht keinen Nachweis der Fahreignung. Denn eine Verordnung besagt nicht, dass der Betroffene sicher am Straßenverkehr teilnehmen kann und darf.

Für Patienten mit Medizinalcannabis heißt dies, dass ihre ärztliche Verordnung nicht vor jeder Maßnahme der Fahrerlaubnisbehörde schützt. Wer Medikamente mit verkehrsrelevanter Wirkung nimmt, muss seine Fahrtüchtigkeit besonders ernst nehmen und ärztlich sowie rechtlich klären lassen.

So kann ein Anwalt für Verkehrsrecht helfen

Wer nach einem Cannabisverstoß mit einem hohen THC-Wert, einer MPU-Anordnung oder einem Schreiben der Fahrerlaubnisbehörde konfrontiert ist, sollte eine Prüfung durch einen Anwalt für Verkehrsrecht beauftragen.

Der Fachanwalt kontrolliert, ob die Blutprobe verwertbar ist, der THC-Wert korrekt festgestellt und dokumentiert wurde und die Voraussetzungen für eine MPU vorliegen. Denn wer eine Gutachtenanordnung (MPU) erhält, sollte nicht abwarten, sondern sofort prüfen lassen, ob die Behörde dafür eine tragfähige Grundlage hat.

Außerdem kann der Fachanwalt beurteilen, ob die Behörde die erforderlichen Umstände berücksichtigt hat, ob Medizinalcannabis eine Rolle spielt und ob eine Stellungnahme sinnvoll ist.

Auch gegen einen Fahrerlaubnisentzug kann vorgegangen werden. Gleichzeitig lässt sich klären, was für eine spätere Neuerteilung der Fahrerlaubnis wichtig ist.

Eine frühzeitige anwaltliche Prüfung hilft, die eigene Situation richtig einzuschätzen und die nächsten Schritte gezielt einzuleiten. Nutzen Sie meine Hilfe für eine individuelle Prüfung Ihres Falls.